Wettbewerb Stadthaus Romanshorn

© Zaffignani Architektur ZT GmbH

Der klar und linear gestaltete Baukörper bildet einen Ruhepol im heterogenen Umfeld und setzt einen prägenden Impuls für die Entwicklung der Bahnhofstrasse. Die viergeschossige Blockrandbebauung folgt den Fluchten der Alleestrasse und definiert mit einem Ringkonzept und innerem Hof eine klare Kante zum neuen Stadtplatz. Eine Fuge zur Sternenstrasse schafft Distanz zum Bestand, ermöglicht Durchblicke und eine räumliche Verwebung. Zum Platz hin erhält das Stadthaus eine vorgelagerte Raumschicht aus rahmenartigen Balkonen. Diese plastische Fassadengestaltung vermittelt zwischen öffentlichem Raum und Innenräumen und erzeugt ein differenziertes Licht- und Schattenspiel.

Helle Rahmen kontrastieren mit dunklen Glasflächen und betonen die Hauptfassade zum Platz, während Allee- und Sternenstrasse als Nebenfassaden gelesen werden. Sonnenstoren beleben zusätzlich das Erscheinungsbild. Das transparente Erdgeschoss mit Bibliothek, Stadtforum, Café und Bank öffnet das Gebäude zum Stadtraum und verbindet Innen und Außen. Die klare Fassadenstruktur setzt sich im orthogonalen Grundriss fort und ermöglicht eine flexible, nachhaltige Nutzung. Im Zentrum liegt eine offene Erschliessungshalle mit skulpturaler Holztreppe, die Tageslicht bis in den Gebäudekern führt. Die oberen Geschosse nehmen Bank-, Verwaltungs- und Sozialnutzungen auf, ergänzt durch großzügige Sitzungsräume und eine Dachterrasse mit Bezug zum Stadtplatz. Das Dach wird begrünt.

Das Gebäude basiert auf einem unterirdischen Stahlbetongeschoss mit Technik- und Lagerräumen. Darüber spannt sich ein hybrides Tragwerk aus Beton und Holz mit Massivholzdecken und Aufbeton. Der Verzicht auf tragende Innenwände erlaubt flexible Grundrisse und einfache Anpassungen. Die Fassade besteht aus vorgehängten weißen Betonfertigteilen mit hoher Plastizität. Die Hybridbauweise ermöglicht einen hohen Vorfertigungsgrad und eine effiziente Bauabwicklung.

Die klimafitte Stadtoase wird von Baumpaaren aus unterschiedlichen, robusten Arten geprägt, die Biodiversität fördern und den Jahreszeitenwechsel erlebbar machen. Platz und Straßen sind niveaugleich gestaltet, der helle Natursteinbelag verbindet den Stadtraum und verlangsamt den Verkehr. Reduzierte Straßenquerschnitte schaffen Raum für Grüninseln mit Baumpaaren. Barrierefreie Wege, schattige Aufenthaltsbereiche, Blumenbeete mit heimischen Pflanzen, Sitzgelegenheiten, Gastgärten und ein Wasserspiel laden zum Verweilen ein. Ein begrüntes Biodiversitätsdach und ein unterirdisches Schwammstadtsystem speichern Regenwasser und versorgen Pflanzen nachhaltig. Begrünung setzt sich im Gebäude fort: Baumpaare im Atrium und auf der Dachterrasse sowie Moos- und Pflanzflächen verbessern das Raumklima.

Das Low-Tech-Konzept setzt auf reduzierte Gebäudetechnik, thermische Masse und erneuerbare Energien. Die kompakte, gut gedämmte Gebäudehülle minimiert den Energiebedarf. Außenliegende Verschattung und hochwertige Verglasung schützen vor Überhitzung. Be- und Entlüftung erfolgt überwiegend natürlich, unterstützt durch CO₂-Sensorik, automatisierte Fenster und Nachtauskühlung. Eine thermische Simulation optimiert das Konzept frühzeitig. Effiziente Grundrisse, kurze Wege und Vorfertigung sorgen für Wirtschaftlichkeit im Bau und Betrieb. Langlebige, natürliche Materialien wie unbehandeltes Holz und Zementestrich prägen die Innenräume und ermöglichen ein würdiges Altern des Gebäudes sowie eine langfristig flexible Nutzung.

Wettbewerb
2024
Auslober
Stadt Romanshorn
ARGE
Daniela Jochum, Architektur
Gudrun Sturn, Landschaftsarchitektur
Zaffignani Architektur
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