199 Wettbewerbe
Seit 1999 haben wir an 199 Planungswettbewerben teilgenommen. 40 Prozent davon in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Büros, 37 Prozent endeten für uns mit einem Preis oder einer Anerkennung, 8 Prozent mit dem ersten Rang. Diese Zahlen sagen zunächst nur, dass wir vieles nicht gewonnen haben. Genau das gehört zum Verfahren, und wir halten es trotzdem für richtig, daran festzuhalten.
Der wichtigste Grund ist die Art der Aufgaben. Über Wettbewerbe kommen wir an Bauten heran, die über Direktvergaben nicht zu erreichen wären: Schulen, Sporthallen, Rathäuser, Museen, Bäder. Gebäude also, die man betreten kann, ohne eingeladen zu sein, und deren Qualität öffentlich verhandelt wird. Diese Aufgaben interessieren uns, weil sie eine Verantwortung mit sich bringen, die über den einzelnen Bauherrn hinausgeht. Ein Schulhaus prägt die Erfahrung von tausend Kindern, lange bevor jemand fragt, wer es entworfen hat.
Der zweite Grund ist das Lernen. Ein Wettbewerb zwingt dazu, eine Aufgabe von Grund auf zu denken, ohne die Abkürzungen der Routine. Wir arbeiten in wenigen Wochen mit dem ganzen Büro an einer einzigen Frage, prüfen Varianten, die im Tagesgeschäft keinen Platz hätten, und sehen anschließend in der Dokumentation, wie zwanzig oder achtzig andere Büros dieselbe Aufgabe gelöst haben. Kein anderes Format bringt uns fachlich schneller weiter. Dass 40 Prozent unserer Beiträge in Arbeitsgemeinschaften entstanden sind, gehört dazu: Die Zusammenarbeit mit Büros anderer Größe, Herkunft und Haltung verändert die eigene Arbeit nachhaltiger als jede Fortbildung.
Der dritte Grund ist grundsätzlicher. Der Planungswettbewerb ist das einzige Vergabeverfahren, das die Entscheidung an die Qualität des Entwurfs bindet und nicht an den Preis. Dass es ihn gibt, ist keine Selbstverständlichkeit; er lebt davon, dass Büros bereit sind, Aufwand ohne Gewissheit auf einen Auftrag zu investieren. Unsere Teilnahme ist insofern auch eine Positionierung: für offene Verfahren, für den Zugang junger Büros zu öffentlichen Bauaufgaben und für Gebäude, die länger halten als die Diskussion über ihre Baukosten.